Panorama-Hüttentour auf dem Venediger Höhenweg

Von Christina Pahl (Pfinztal)
Red. Überarbeitung: Peter M. Faißt (2003)

Unser Internet-Anschluss war damals erst ein paar Wochen alt, ich war noch "Newcomer". Während der ersten Gehversuche im Internet versuchte ich über die Suchmaschine mal nach Prägraten bzw. Hinterbichl zu "surfen" und bin dabei auf die liebevoll gestalteten Beiträge von Pidder gestoßen. Ich war spontan so begeistert, dass ich ihm dies unbedingt per E-Mail mitteilen musste. Ich schrieb ihm, dass ich diese traumhafte Gegend seit mehr als 20 Jahren besuchte und seine Beiträge und Bilder mir "von der Seele" sprechen. Pidder ermutigte mich den nun folgenden Bericht zu schreiben.

Nach ca. 10-14 Tagen vorangegangenen Urlaub waren wir gut genug eingelaufen um diese Tour zu starten. Hansel, der Mann unserer Vermieterin, war so nett und hat uns recht früh am Morgen von Prägraten zum Matreier Tauernhaus gefahren. Ich habe mich schon Tage vorher gefragt, warum so viele Osttiroler einen Rosenkranz um den Rückspiegel hängen haben – nach dieser Fahrt ahnte ich es. Es könnte der Schutzengel sein...

Nachdem wir also nach flotter Fahrt am Matreier Tauernhaus angekommen sind, wanderten wir – vorbei an der sehenswerten Felsenkapelle - zum Talende ins Innergschlöss. Auf dem Venediger Höhenweg stiegen wir von ca. 1700 m zum ersten Ziel, dem Löbben Törl, in Höhe von 2770 m an. Unsere erste größere Rast machten wir bei den Salzböden-Seen, in denen sich herrlich die Umgebung der Bergwelt spiegelte. Auf der rechten Seite konnten wir beobachten, wie eine Gruppe Bergsteiger zum Gletscherschaupfad aufstieg. Wie auf einer Art Kamm führte der Weg in Richtung Löbben Törl, das wir einige Zeit vorher erkennen konnten. Der Anblick rechts auf den Gletscherabbruch war absolut faszinierend. Oben am Löbben Törl konnten wir zusehen, wie ein Stück vom Gletschereis herunterbrach. In diesem Moment wird einem bewusst, welche Macht die Natur hat und wie schaurig schön das sein kann.

Weiter ging es zur Badener-Hütte (2608 m) – unsere Wanderhöhe hatten wir erreicht und der Weg war teilweise mit Seilen gesichert. Über Gebirgsbäche, die über unseren Weg führten, sind nur größere Steine oder ein paar Bretter gelegt. Dann haben wir es geschafft: die Badener Hütte ist erreicht.

Wir verbrachten unsere Nacht im Matratzenlager. Wieder bestätigte sich mein Eindruck, dass man auf solchen Touren eine ganz besondere Art von Menschen trifft. Wer auf solchen Hütten Komfort und Luxus sucht, ist hier fehl am Platz (... solche Menschen machen in aller Regel auch keinen Wanderurlaub in Osttirol...). Es war ein netter Abend auf der Hütte und nachts habe ich geschlafen wie ein Bär, auch wenn man im Matratzenlager mit ca. 20 Personen die verschiedensten Schnarcharten hört.

Der Morgen war absolut traumhaft – solch einen Sonnenaufgang hatte ich noch nie gesehen. Nach einer "Katzenwäsche" mit ca. um 1° C erwärmtem Quellwasser gab’s ein zünftiges Frühstück und dann rüsteten wir uns auch langsam zum Weitermarsch in Richtung Galtenscharte (2530 m). Und wieder beeindruckte mich das etwas entfernte Felsmassiv und die Blumenpracht, die selbst in dieser Höhe noch zu sehen ist.

Auf unserem Weg trafen wir noch eine Herde Schafe mit 2 süßen Lämmchen, die sich offensichtlich hier oben sehr wohl fühlten. Dann kamen wir an eine Art "Steinwüste" und der Weg führte serpentinenartig zur Galtenscharte.

Auch auf der anderen Seite bot sich der Anblick, der schroffen Felsen und Steinplatten., bis wir zur Kälberscharte (2791 m) kamen. Einige Felsen erinnerten mich an Gesichter aus der Comicserie "Die Simpsons". An der Kälberscharte angekommen, freuten wir uns, denn man konnte die Bonn-Matreier-Hütte schon sehen und der Magen machte sich unweigerlich bemerkbar. Dort wurde erst mal gejaust, dann waren wir fit für die letzte "Etappe".

Immer noch auf dem Venediger-Höhen-Weg, wanderten wir in Richtung Eissee-Hütte. Der Höhenweg geht nach ca. 15 Minuten rechts weg, in kleinen Serpentinen kamen wir auf die erste Anhöhe ins nächste Tal an. In den Felsen konnte man hier sogar noch Edelweiß sehen (...die ja leider von primitiveren "Pseudo"-Bergfreunden immer noch gerne als Souvenir abgepflückt werden, obwohl sie unter Naturschutz stehen). Auch Murmeltiere und Gämsen habe ich auf diesem Wegabschnitt nicht das erste Mal gesehen. Nach weiteren ca. 30 Minuten führte der Weg über riesige Felsplatten, die auch zum Sonnen einladen (aber – wie generell in den Bergen - mit hohem LSF gut eincremen). An den Felsplatten vorbei, kamen wir dann bald in das Timmeltal, die Eissee-Hütte war schon zu sehen und es ging jetzt ziemlich bergab. Wir wollten nicht zur Eissee Hütte und folgten dem Weg rechts vom Bach und stiegen "übers Mäuerle" auf den Prägratener Höhenweg ab bis nach Bichl.

Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich diese Tour gemacht habe, aber die Bilder habe ich (mit Unterstützung dank umfangreicher Dia-Sammlung) im Kopf, als wäre ich diese Tour gestern gelaufen Es war eine traumhafte, aber auch anstrengende Tour. Doch die Anstrengungen haben sich auf jeden Fall gelohnt und ich bin sie bestimmt nicht das letzte Mal gegangen...!

Habe ich Euch neugierig gemacht? ...dann plant doch diese Tour einfach in Euren nächsten Wanderurlaub im schönen Virgental ein. Vielleicht erinnert Ihr Euch ja dann noch an meinen Bericht...! Ich wünsche Euch schon viel Spaß und allzeit schönes Wetter! ... wem die Videokamera im Gepäck nicht zu viel ist – unbedingt mitnehmen, es lohnt sich!

 

I ♥ HIBI aktualisiert: 09.07.12
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